Leseproben!

Review DAYTODAZE – THIS WORLD WAS BUILT ON BONES 12” EP (DIY)

Auf ihrer aktuellen EP spielen die Jungs tatsächlich eine gekonnte Mischung aus Modern-, Old-School-HC und Punk. Das Ganze wird an der einen oder anderen Stelle mit einer gut platzierten dissonanten Melodie einer der beiden Gitarren abgerundet. Das Tempo der Scheibe variiert zwischen punkig flott und teilweise nachdenklich langsam in den melodischen Parts. Die Jungs versuchen Songstrukturen zu schaffen, die nicht immer vorhersehbar sind, ohne dabei allerdings zu vertrackt zu werden, und erreichen es dadurch in Songs wie dem Titeltrack „This World Was Built On Bones“ oder vor allem in „Team Excellent“ Spannung aufzubauen und den Hörer (also in diesem Fall mich) für sich zu gewinnen. Die fünf Songs machen aufgrund ihres Abwech-slungsreichtums alle Spaß. Man merkt, dass hier eine Band am Werke ist, die sich Zeit genommen hat, sowohl beim Songwriting als auch beim Aufnehmen. Einziger Kritikpunkt ist die Stimme von Sänger David und zwar immer dann, wenn er versucht „clean“ zu singen. Das passt weder richtig zu seiner Stimme noch zur Gesamtstimmung der Musik. Irgendwie geht in diesen Parts die Energie, die in den Liedern steckt verloren. In den Shoutparts allerdings klingt alles wie aus einem Guss. Textlich setzt sich die Band kritisch mit der Festung Europa und dem Thema Krieg auseinander. Sozialkritik und Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft gibt es auch zu hören.
Kurzum, diese Platte ist für jeden etwas, der auf mehr steht als die ewig gleichen, immer wiederkehrenden Moshparts und Breakdowns und über Texte auch nachdenken möchte.
Die Band hat sich mittlerweile aufgelöst. Allerdings treiben einige Mitglieder unter dem Namen COLLIDE AND DISCORD weiterhin ihr musikalisches Unwesen.

Get The Most Interview aus Ausgabe #2

2006 und 2007 haben GET THE MOST zwei sehr geile 7“ EP’s auf Crucial Response Records veröffentlicht. Im letzten Jahr gab es dann endlich den ersten Longplayer. Diese LP hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. Momentan sind sie wohl eine der besten Bands, die dem Youth Crew Sound frönen. Deswegen habe ich ein paar Mails rund um die halbe Erde gejagt, um Sänger Senor Bubbles auf den Zahn zu fühlen.

1. Get the Most hat als Nebenprojekt von GO IT ALONE und BLUE MONDAY angefangen, ist das richtig? Und ist GTM im Augenblick euer Hauptprojekt? Spielen alle in der Band noch in anderen Bands?
Ja, die Band entstand als Nebenprojekt dieser zwei Bands. Wir entschlossen uns dazu während einer Tour im Sommer 2005. Seit dem Start hat quasi jeder auch in anderen Bands gespielt. Es ist eine ziemlich lange Liste, aber einige der Bands, aus denen wir kamen, waren Blue Monday, Go it alone, The Answer, Devotion, Black Breath, On, Vacant State, Gone but not forgotten etc. Diese Band hier hat immer als ein Spaßprojekt nebenbei existiert, was Touren nie zur Priorität machte.

2. Euer erstes Album “Together” wurde 2010 auf REACT! Records veröffentlicht. Für mich ist es eine der besten Youth Crew Veröffentlichungen des Jahres. Seid ihr mit der Platte zufrieden?
Wir sind definitiv zufrieden mit der Leistung und Dankeschön. Es hat ungefähr drei Jahre gebraucht um sie fertig zu kriegen, aber ich denke, dass es das Warten wert war. Ich wollte keine solche Diskrepanz erzeugen, dass unsere nächste Platte kom-plett anders klingen würde und damit der Schwerpunkt unseres Sounds verloren gegangen wäre. Ein ganzes Hardcore Album bleibt oftmals nicht so im Gedächtnis wie das Demo oder die erste 7″. Hoffentlich zeigt sich diese LP genauso gut wie der Rest unserer Outputs.

3. Welche Reaktionen bekommt ihr von den Leuten?
Soweit es die LP betrifft, waren sie positiv. Ich habe nichts in der Art gehört, dass die Leute es kacke finden, also ist das wohl gut.

4. Eins der Ziele von GTM war und ist es hoffentlich noch immer, euren Lieblingskünstlern Anerkennung zu zollen. Also steht der Sound von GTM unter den Einflüssen der guten alten Youth Crew Bands. Ist dieser Youth Crew Sound in euren Augen der „wahre“ Hardcore Sound? Fließen in GTM noch Einflüsse anderer musikalischer Richtungen ein?
Unsere generelle und ursprüngliche Idee war, den klassischen Bands zu huldigen. Wir wollten nicht viel anders als Instead, Youth Of Today, Uniform Choice etc. klingen. Je älter ich werde, desto mehr wertschätze ich jene 80er Bands. Ich glaubte, dass es einen Haufen Spaß machen würde, sehr energiereichen Hardcore zu spielen, der sich mehr oder weniger motivierend und euphorisch anfühlen sollte. Ist das der wahre Hardcore Sound für mich? Sicher. Aber ich denke wir sind uns alle einig, dass es da noch weitere großartige Stile im Hardcore gibt.

5. Ihr kommt aus Seattle, WA, einer Stadt, die viele gute und bekannte Hardcore Bands beheimatet (Sinking Ships, Gone But Not Forgotten, On, Undertow, nur um einige zu nen-nen). Was liegt bei euch in der Luft? Wie kommt es, dass so viele gute Bands aus dieser Gegend kommen?
Das muss an der sehr schönen Landschaft liegen. Die Berge, das Wasser und all das herrlich leckere vegane Essen dienen unserer Inspiration. Bei uns gibt es ausge-zeichnete Orte, wo man am Wochenende Wandern gehen kann und drei größere Städte liegen im Umkreis von 3-4 Stunden Fahrtzeit. Außerdem bestehen die meisten unserer Bands aus denselben zehn Typen, die Szene ist also nicht allzu groß.

6. Wie zeigt sich die Hardcore- und Straight Edge Szene in Seattle?
Die Hardcoreszene nimmt an Fahrt auf, sie wächst vor allem leicht südlich von Seattle in der Tacoma Area. Da unten finden tendenziell wesentlich mehr Shows statt und sie haben ziemlich regelmäßige Veranstaltungen am Laufen. Die Straight Edge Szene ist nicht sehr groß, die, die wir kennen, sind größtenteils 25 und älter. Es gibt nicht mehr viele von uns hier. Es kommt einem so vor, dass, nachdem Champion sich aufgelöst haben viele Leute mit Hardcore und Straight Edge aufgehört haben.

7. Eine ehr persönliche Frage. Ihr seid eine Straight Edge Band?! Was bedeutet euch Straight Edge? Warum lebt ihr Straight Edge?
Glaub es oder glaub es nicht. Aber dies ist keine Straight Edge Band. Unser Sound ist zwar von vielen sXe-Bands beeinflusst und die meisten der Bandmitglieder leben auch straight, ich kann also verstehen wie du auf die Idee gekommen bist. Aber als wir anfingen, wollten wir den Fokus unserer Texte auf Dinge richten mit denen jeder was verbinden kann. Deswegen sind wir nicht den sXe-Weg gegangen. Außerdem leben wir auch nicht alle straight. Also würde es auch gar nicht wirklich passen.

8. Ihr habt zwei EP’s auf dem deutschen Label Crucial Response veröffentlicht. Wie seid ihr mit Peter in Kontakt gekommen?
Ursprünglich hatten wir ihm mal unser Demo, das für unsere erste Show rauskam, geschickt. Er hat sich mit uns in Verbindung gesetzt und gesagt, dass er eine 7″ EP machen will. Wir waren so glücklich, mit einem der besten Hardcore Labels überhaupt zu arbeiten. Einige unserer Lieblingsbands hatten Platten auf diesem Label veröffentlicht. Es hat uns viel Vergnügen bereitet, mit Peter zu arbeiten und er hat einen großartigen Job für uns gemacht.

9. In dem Song “Not just Words to say” beschreibt ihr eine Situation, in der es um einen Freund geht, der euch und der Szene den Rücken zukehrt, weil er “erwachsen wird”. Geht es um eine wahre Geschichte, die einem von euch passiert ist? Und denkt ihr, dass „er-wachsen werden“ zwangsläufig das endgültige Brechen mit Szene und Freunden mit sich bringt?
Der Song bezieht sich lose auf die vielen Zusammentreffen, die wir alle mal mit Freunden erlebt haben, die plötzlich zu alt geworden waren für Dinge, die ihnen einmal so wichtig gewesen waren. Zum Beispiel bin ich mir ganz sicher, dass ich Freunde hatte, die auch mit zu Hardcore Shows kamen, dann aber entschieden, dass sie damit durch sind und nun über jene Zeiten reden, als würden sie ihnen nichts bedeuten, obwohl sie genau das tat. Manchmal wirst du traurig, dass du, obwohl sie sich weiterbewegt haben, nicht anders kannst, als zu denken, dass sie von ihrem jetzigen sozialen Leben gelangweilt sein müssen. Es steckt ja auch die Stimmung der guten alten Zeiten drin. Ein bisschen nostalgisch und so.

10. Ist der Song “Show some Spine” jemandem bestimmtes gewidmet? Oder ist er einfach als generelles Statement zu verstehen?
Ich möchte auf niemand spezielles öffentlich mit dem Finger zeigen, aber in dem Song geht es um jemanden, der sich sehr offen über die Beteiligung von Frauen im Hardcore äußerte, als es aber dazu kam, Worten auch Taten folgen zu lassen, hat er sein wahres Gesicht gezeigt. Auch, wenn Hardcore eher männlich dominiert wird, heißt das nicht, dass wir nicht schrecklich begeistert sein sollten über alles und jeden, der sich einbringt. Ich würde mir wünschen, dass Frauen und Männer zu gleichen Anteilen auf Shows zu sehen wären. Es sind solche Menschen, wie der aus dem Song, die andere, welche sich auf Shows vielleicht ein wenig unwohl oder fehl am Platze fühlen, verschrecken und verunsichern. Diese Idioten müssen wir loswerden und unsere Szene so großartig gestalten, wie wir nur können, in der sich jeder willkommen fühlen kann, ganz egal welchen Geschlechts oder welcher Überzeugung.

11. Habt ihr schon mal in Deutschland gespielt? Wann werden wir euch das nächste Mal hier sehen können?
Wir haben 2009 eine Show mit ON in Deutschland gespielt. Ich weiß nicht mehr genau, wo das war, aber es war sehr gut. Die Show war brechend voll und ich erinnere mich an Leute, die viele der Texte kannten, was sich ziemlich gut angefühlt hat. Was eine Rückkehr nach Deutschland angeht, sind wir uns nicht sicher, wann wir das realisieren können.

12. Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?
Wir geben unserer Collection LP, die bald auf REACT! Records erscheint, gerade den letzten Feinschliff. Sie beinhaltet unser Demo und die beiden Seven Inches. Die Songs wurden überarbeitet, klingen jetzt also besser und das Layout ist ziemlich cool. Wir hoffen, dieses Jahr beim REACT! Festival in Berkley, Kalifornien, zu spielen, denn letztes Jahr hat es unglaublich viel Spaß gemacht!

13. Platz für alles, was du den Leuten in Deutschland noch mitgeben willst.
Es hat immer viel Spaß gemacht, in Deutschland zu spielen. Ich hoffe, dass ihr wei-termacht mit den Zines, Shows, Labels und damit, nordamerikanische Bands durch eure Gastfreundlichkeit zu unterstützen. Danke für das Interview.

Tackleberry Interview aus Asugabe #2

Tackleberry sind fünf junge Herren aus Kiel, die Hardcore mit einem guten Schuss Punkrock darbieten. Mit kurzen, knackigen Liedern, die ständig nach vorn krachen und nie auch nur den Hauch von Langeweile aufkommen lassen, dürften sie sich auch schon in dein Ohr gespielt haben. Wenn nicht, solltest du das schleunigst ändern. Die Band besticht durch gut durchdachte, kritische und ordentlich angepisste Texte. Allerdings blinzelt der Schalk der ihnen im Nacken sitzt, immer mal wieder hervor. Seit ihrer Russlandtour und den schrecklichen Ereignissen, die sie dort erlebt haben, haben sie einige Aktionen gestartet, um auf die krasse Situation in Russland aufmerksam zu machen. Wer die Äußerungen von Tackleberry zu diesem Thema (auch in diesem Interview) allerdings als billige Band-Promo verstehen will, der hat nix verstanden!!!!!

Habt ihr in eurer Jugend ein bisschen zu oft Police Academy geguckt?

Nein. Wir standen unter Zeitdruck. Unser erstes Konzert stand an und wir hatten keinen Namen. Warum wir dachten, dass Tackleberry ein guter Name wäre, weiß ich heute auch nicht mehr.

Die Band wurde 2004 gegründet. Wie und warum seid ihr auf die Idee gekommen? Wer gehört zum aktuellen Line Up?
Ich schätze, wir hatten alle Langeweile und waren ein wenig frustriert. Wir kann-ten einander vorher nicht wirklich. Da kannte eher ein Freund den anderen, der dann eine Nummer hatte. Hätte ich nicht von unserem Schlagzeuger ne Mail bekommen, dass er nen Sänger sucht, wäre ich eine Woche später mit nem Jahrmarkt losgefahren. Kein Job, kein Geld, keine Freundin. Was willste sonst machen?
Die Band besteht momentan aus Aiko, Peder, Mäxchen und Hammer. Ab und zu haben wir mal einen zweiten Gitarristen. Aber meistens steigt der schnell wieder aus, weil er sich mit Mäxchen zofft, oder so. Ich kann mir die Namen schon gar nicht mehr merken. Hast du nicht Lust bei uns Gitarre zu spielen? Wie war noch mal dein Name? ;)

Eure aktuelle 7“ habt ihr auf Twisted Chords Records veröffentlicht. Eure beiden Alben erschienen auf Zeitstrafe Records. Was hat euch zum Labelwechsel veranlasst oder war das nur ein kurzer Abstecher?
Ich weiß gar nicht so genau. Wir haben auf Zeitstrafe veröffentlicht, weil Renke ein Kumpel von uns ist. Als die 7′‘ erschien, hatte er aber gerade keine Kohle und keine Zeit. Deshalb haben wir den äußerst sympathischen Tobi von Twisted Chords gefragt. Eine gute Sache! Mal sehen, wie’s weiterläuft.


Wie würdest du eure eigene Musik beschreiben?

Punk.

Wie sähe die Beschreibung aus, wenn dir deine zukünftige Schwiegermutter diese Frage stellen würde?
Punk, Du Arsch!

Eure Texte handeln zu großen Teilen von dem, was schiefläuft in unserer Welt und sind daher immer etwas angepisst (verständlicherweise). Sind eure Texte für euch eher Ventil, „Wachrüttler“, Selbsttherapie oder Lösungsansätze….oder ganz anders zu verstehen?
Ich schreibe nicht häufig über persönliche Sachen. Ich komme mir bei sowas immer schnell gefühlsduselig und wehleidig vor. Aber, wenn ich mal wirklich etwas auf dem Herzen habe, dann schreibe ich auch darüber. Ich versuche die Dinge und Leute, die ich nicht mag, zu ärgern und ins Lächerliche zu ziehen. Das macht Spaß. Ich habe die Möglichkeit mich hinzustellen und Fragen zu stellen und Fragen aufzuwerfen. Und dabei auch noch gehört zu werden. Das ist toll. Besser als ein Stammtisch, wo sich alle gegenseitig erzählen, was sie eh schon wissen und meinen. Es ist von allem, was du genannt hast tatsächlich ein bisschen dabei.

Hardcore ohne Punk ist wie ein Wald ohne Bäume. Warum? (bei der Beantwortung dieser Frage bitte auf die allseits bekannte Äußerung von einem gewissen Herrn Roger Miret zu diesem Thema verzichten, das wäre ja sonst zu einfach)
Versteh ich nicht. Ein Wald ohne Bäume ist ein Acker oder so. Wer meint, dass Hardcore mit Punk nix zu tun hat, der liegt zwar falsch, kann von mir aus aber gerne mit diesem Irrglauben glücklich sein.
Ich bin kein Purist. Ein Bier ohne Kippe ist wie ein Spielplatz ohne Wippe. Is auch Quatsch.


Habt ihr alle über den Punk den Weg zum Hardcore gefunden?

Ich komm über Metal, Peder über Punk, Mäxchen überhaupt nicht und Aiko kommt aus Bonn.

Ihr habt euch zusammen mit vielen Leuten für den Erhalt der Schaubude (ein Verans-taltungsort Anm. vom Tipper) in Kiel eingesetzt. Mein letzter Stand der Dinge ist, dass die Schaubude gerettet ist. Stimmt das? Könnt ihr den Konflikt mal kurz dem „Nicht-Kieler“ erklären?
Das Haus, das die Schaubude beheimatet, gehört einem Typen, der pleite ge-gangen ist. Deshalb ging das Haus in den Besitz der Volksbank über. Die wollte das Haus erst abreißen und dann verkaufen,
anstatt es im jetzigen Zustand an einen bereits interessierten Käufer abzutreten. Die versprachen sich mehr Gewinn und einen Auftrag für das Architektenbüro der Frau des Vorstandsvorsitzenden, oder so ähnlich. Aber jetzt ist es, nach dem öffentlichen Druck, doch so gekommen, dass die Volksbank das Haus einfach so an den Interessenten verkauft hat.

Ihr scheint gute Kontakte nach Russland zu haben. Wie kamen die zu Stande? Wie oft ward ihr dort? Mit welchen Bands seid ihr befreundet?
Wir waren einmal, nach einer besoffenen Einladung, dort und haben eine Tour mit WHAT WE FEEL gespielt. Tolle Band mit tollen Leuten.

Hardcore bzw. Subkulturen allgemein haben es in Russland aufgrund staatlicher Re-pression und dauerhafter Bedrohung durch Nazis lange nicht so leicht wie hier. Wie habt ihr die russische Szene wahrgenommen?
Es war gefährlich. Wir haben nicht einen Schritt ohne unsere russischen Beglei-ter machen dürfen, sind nur per Zug getourt. Die Szene ist völlig Underground gewesen. Keine Werbung, Klopfzeichen an den Eingangstüren. Leider kam es am letzten Abend zu einem feigen Mord an einem Konzertbesucher. Scheiß Nazis!

Wie lange ward ihr dort und wie seid ihr mit den Umständen umgegangen?
Die Tour dauerte eine Woche. Anfangs waren wir total euphorisch auf Tour zu sein, klar. Abenteuer, fremdes Land, kein Wort verstanden. Erst im Laufe der ersten 2 Tage ist uns wirklich bewusst geworden, dass wir nicht nur zum Spaß dort sind. Das bloße Dasein als Punkband bedeutet, dass wir sofort als Antifa gelten und somit gefährdet waren. Punk hat dort ein viel größeres politisches Selbstverständnis als hierzulande.

Konntet ihr euch an die Umstände dort gewöhnen? Dass ihr euch nicht frei bewegen konntet und so?
Wir waren halt nur ne Woche dort und deshalb haben wir uns nicht großartig gewöhnen müssen. Daran würde ich mich auch nicht gewöhnen können, denke ich.

Wie habt ihr und die anderen Konzertbesucher auf den Mord reagiert bzw. wann habt ihr davon erfahren?
Der Mord fand direkt vor dem Konzert, dreihundert Meter entfernt, vor einem Supermarkt statt. Nachmittags um Fünf. Er hat den Fehler gemacht und im Inter-net davon erzählt, dass er zu diesem Konzert gehen wird. Wir haben die Nach-richt von einem unserer russischen Freunde erfahren. Das Publikum war ge-schockt, wir waren geschockt, Tränen. Es wurde lange beratschlagt, wie’s nun weitergeht. Wir, also alle anwesenden Bands und Leute, haben beschlossen das Konzert zu spielen, da wir uns nicht geschlagen geben wollten. Jetzt erst recht. Mir wird jetzt noch ganz anders, wenn ich das hier schreibe… Ich war nie im mei-nem Leben so sauer und traurig zugleich. Scheiß Nazis!!!

Habt ihr vor nochmal in Russland zu spielen?
Wir planen gerade für den Sommer eine Tour, die uns wohl auch nach Russland führen wird. Uns ist mulmig bei dem Gedanken. Da dieser Mord bei unserem Konzert stattfand und wir danach viele Soli-Sachen für die russische Antifa ge-macht haben, werden wir sehr aufpassen müssen.

Wie seht ihr hingegen die heimische Szene hier in Deutschland? (nicht nur im Vergleich zu Russland, sondern ganz allgemein)
Ist mir ziemlich egal. Es gibt ne Menge Leute, die viel D.I.Y. machen, was sehr cool ist. Und dann gibt es die Leute mit den Mesh-Shorts und Baseballtrikots. Gut aussehen, T-Shirts kaufen und einen auf harten Hund machen. Irgendwie schon lächerlich.

Welche fünf Platten würdet ihr mit auf die berühmte einsame Insel nehmen?

Ich möchte lieber hier bleiben.

Wie lauten Tackleberrys Vorhaben für das Jahr 2011?

Platte machen.

Grüße, Küsse, Meinungen und Verbesserungsvorschläge bitte jetzt. Oder alles was unbedingt noch gesagt werden muss.
„Two and a half men“ ist totale Hundekacke!

Das Interview habe ich mit Hannes per E-Mail geführt.


TACKLEBERRY- S/T 7” EP (TWISTED CHORDS 2010)
Das Ding knallt! Tackleberry zünden vier Raketen allerfeinsten Hardcore-Punk. Mal mehr Punk, mal mehr Trash, mal mehr HC, aber immer gut. Mein Anspieltipp ist „Tick off, add up“, ein Song der klar Richtung 80er Jahre HC geht und bei dem keine Gefangenen gemacht werden. Etwas melodischer geht’s bei „Quarantine“ zur Sache. Diese beiden Songs zeigen wunderbar wie groß die musikalische Bandbreite von Tackleberry ist. Hier und da wird noch ansatzweise ein Gitarrensolo eingestreut und schon sind die knappen sechseinhalb Minuten Musik auch wieder um. Einen Downloadcode gibt’s auch noch dazu. Was will man mehr?! www.tackleberry.blogsport.de

Something Inside Interview aus Ausgabe #1

Das Interview ist am 27.08.2010 in Schleiz entstanden. Kurz nachdem die Jungs ihre Show gespielt hatten, haben wir uns in den gemütlichen Backstage Bereich zurück gezogen und ausführlich über alles Mögliche gesabbelt. Ihr bekommt hier leider nur eine stark gekürzte Fassung des wirklich ausführlichen Gesprächs zu lesen. In Originallänge wäre es ein Roman geworden. Und Michael wird wohl immer noch froh sein, dass es kein Videointerview war.

Moin. Sagt mal ein paar Worte zur Geschichte der Band. Wer gehört zu SI, wie seid ihr auf die Idee gekommen. Seit wann…den ganzen Standardkram.

Michael: Ich bin das Vokular und wurde genötigt hier zu singen.
Thomas: Ich wurde 2006 gecastet und spiele Gitarre.
Toni: Ich bin Toni und spiele Schlagzeug.
Christian: Ich wurde auch gecastet für die Gitarre.
Thomas: Dann ham wir noch Uffta am Bass. Die Band wurde Ende 2003 gegründet und irgendwie machen wir immer noch diesen Quatsch.

Was bedeutet euch euer Bandname und was soll er uns sagen?

M: Der Bandname stammt von unserem alten Bassisten, der aus beruflichen Gründen ausgestiegen ist.
To: Eigentlich wollten wir uns erst „The Higher Taste“ nennen. Aber irgendwie dachten wir dann das das nicht ganz so gut klingt und deswegen ham wir uns „Something Inside“ genannt. Beides sind ja Songs von The First Step und von denen waren wir ja sowieso beeinflusst. Wenn man das jetzt reflektiert, dann passt das eigentlich richtig gut. Sowas in sich tragendes.
Th: Im Laufe der Jahre macht es eigentlich immer mehr Sinn.
To: Ja, am Anfang war es einfach nur nen Name. Am Ende ist jetzt viel viel mehr draus geworden als einfach nur nen Name.

Ihr spielt nen ziemlich coolen Youth Crew HC und habt euch meiner Meinung nach von Output zu Output gesteigert. Seht ihr das ähnlich? Seid ihr mit dem aktuellen Werk „Heart and Soul“ zufrieden?

M: Auf alle Fälle. Für uns war das eigentlich der logische Schritt nach „Lionheart“. Als Band sagt man ja immer, dass das aktuelle Release das Beste ist. Aber bei uns ist es wirklich so. Schlimm eigentlich, oder?! Aber das sagen auch alle Leute mit denen ich über „Heart and Soul“ gesprochen habe.
Th: Es ist ne sehr persönliche Platte. Sie spiegelt uns einfach wieder. Sie ist einfach authentisch und ehrlich.

Habt ihr beim „Erstellen“ des Albums was anders gemacht als früher? Oder habt ihr „Rituale“ die beim Arbeiten an neuen Songs, neuen Alben immer wieder greifen?

M: Wir sind in Proberaum gegangen und haben angefangen zu schreiben und irgendwann waren wir dann einfach fertig.
Th: Naja, nen bisschen mehr war‘s schon. Die Platte ist eigentlich ziemlich chaotisch entstanden. Und in ziemlich kurzer Zeit. Der Großteil lief innerhalb von vier Wochen. Wir haben in drei bis vier Sessions zusammen gejamt und dann sind wir mit den Ideen in den Proberaum und dann kam eins zum anderen.
M: Texttechnisch ist es die persönlichste Platte. Die Probleme die wir in der Zeit hatten, habe ich in den Texten verarbeitet.
Th: Sicherlich ist „Heart and Soul“ auch das abwechslungsreichste Album von uns. Es ist facettenreicher als alles was wir vorher gemacht haben.

Wer zeichnet bei euch für Text und Musik verantwortlich?

Th: Die Texte schreibt bis auf wenige Ausnahmen Michael und die Musik ich. Wobei jeder in der Band da seinen Input hat.
To: Den Text zu „Suffer & Care“ hab ich geschrieben. Beeinflusst von Offsprings „Self Esteem“. Da es ne ziemlich schwere Zeit für uns alle war, hat die Zeile „the more you suffer, the more it shows you really care“ gut gepasst.
Th: Mit andern Worten, die Platte ist über Frauen. [Gelächter]
M: Ein Song ist über Frauen.
Th: Naja….das schöne bei uns ist ja, dass es Platz zum „Reindenken“ gibt.
[lacht]

Warum darf ein gutes HC-Lied nicht länger als 2min sein?

C: Wenn ein Song länger als zwei Minuten ist, wird er ja schon chartverdächtig. Und das wollen wir ja nicht.
Th: Ja, da könnte ja der Erfolg zu groß werden. [alle lachen]
To: Außerdem sind die besten Hardcore-Songs wirklich nicht länger als 2 Minuten.
M: In der Kürze liegt die Würze.

Alle eure Outputs sind bei Farewell Records erschienen. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass ihr nicht nur musikalisch sondern auch labeltechnisch unterwegs seid?

Th: Ja. Prinzipiell war es einfach nur ne Idee aus der Not ne Tugend zu machen. Wir hatten kein Label am Start und es kam auch kein Label auf uns zu. Und dann haben wir uns gedacht: releasen wir uns selbst. Gründen wir halt nen Pseudolabel namens Farewell Records. Ist eigentlich nur damit auf der Platte da irgendwas drauf steht. War ne Idee von unserem alten Gitarristen und mir und irgendwie sind wir dabei geblieben. Sozusagen unser eigenes Label. Hardcorebands brauchen eigentlich auch kein Label. Da weißt du dann wofür du arbeitest, was du hast, was du machst. Du brauchst nicht irgend nem Label Geld in Arsch stecken.

Auf Farewell Records sind einige Bands aus Senftenberg, eurer Heimatstadt. Das klingt nach einer lebendigen Szene in der brandenburgischen Provinz?!

M: Senftenberg hatte mal ne wirklich gute Szene gehabt. Aber dadurch dass wir alle älter geworden sind und die ganzen Umstände hat sich das so ein bisschen verteilt.
Th: Meistens hast du dann so eine Inzucht wie bei jeder Amiband, dass viele Bandmemebers auch bei anderen Bands spielen. Wir alle haben auch bei The Truth gespielt. Micha spielt noch bei Built on Trust.
To: Ich glaube wenn wir alle zusammen kommen, auch mit denen die noch so drum herum sind, Senftenberg war ja eigentlich immer nur so ein Sammelbegriff, kommen wir trotzdem noch auf ne Stärke die nicht jede andere Stadt hat.
Th: In Senftenberg selbst gibt’s aber eigentlich nicht mehr ne Szene. Unsere eigenen Leute, das ist ne kleine Gruppe von 10-15 Leuten, wenn überhaupt. Mittlerweile zählen ja auch viele zu Senftenberg die von außerhalb kommen. Sachsen zum Beispiel. Wir leben ja auch mittlerweile alle getrennt. Es lebt ja, meist aus beruflichen Gründen, kaum noch einer in Senftenberg. Micha und ich sind die einzigen beiden. Chris wohnt hauptsächlich in Erlangen. Toni in Cottbus. Aber Senftenberg ist halt unsere Heimat.

Gibt’s in Senftenberg nen guten Club in dem man Shows veranstalten kann?

M: Gab es mal. Wir hatten echt nen guten Club wo gute Bands gespielt haben. Aber mittlerweile gibt’s keine Location mehr oder die wollen tierisch viel Kohle haben und deswegen gibt’s die Option leider nicht mehr.
Th: Wir haben es mal versucht Shows zu veranstalten und hatten auch nen paar gute Bands am Start wie zum Beispiel Have Hart oder Modern Life Is War. Damals, so Mitte der 90er war die Szene aber auch groß.
C: Das ging dann so bis 2000/2002. Dann haben sich nen paar alte Bands aufgelöst wie Daybreak. Und dann kamen neue Bands wie Built On Trust oder eben wie.

In „Love Song“ äußert ihr eure Liebe zu Straight Edge. Was bedeutet euch der Lebensstil und wie seid ihr dazu gekommen Edge zu leben?

Th: Ich wollt nur in der Band sein. [alle lachen]
M: Ich bin mit 15 das erste Mal mit Straight Edge in Berührung gekommen. Und wie ich im Song geschrieben habe, war es meine erste große Liebe und es wird auch meine letzte sein.
Th: In jungen Jahren war Straight Edge noch sowas wie ein komplett neuer und eigner Lebensstil. Es war was Neues. Was halt nicht jeder war.
M: Es war was völlig Anderes. Die Musik. Der Lebensstil. Wenn ich jetzt zum Beispiel meine Eltern sehe, ich liebe meine Eltern über alles, aber diesen Trott den sie leben. Da fühlt man sich ja wie im Käfig. Arbeiten gehen, nach Hause kommen, arbeiten gehen, wie so eine Art Parallelwelt. Wir waren damals moderne Punks.
To: Wenn man jetzt schon so viele Jahre straight lebt wie Micha oder ich das machen, dann geht das schon manchmal so ein bisschen unter. Aber letztens erst bin ich durch die Straßen gelaufen und habe einen Song von Down To Nothing gehört und ich war stärker den je. Einfach nur durch den Song, gepackt in eine Minute und zwanzig und ich wusste das ist der Weg. Und das wird für immer mein Weg bleiben. Wenn ich jetzt zurück denke, was hätte ich denn früher für Mist gebaut wenn ich nicht den klaren Kopf gehabt hätte? Wir haben ja so schon genug Kacke angestellt.
Th: Das klingt jetzt aber schon alles sehr klischeehaft.
To: Wenn du Straight Edge lebst musst du ja auch nachdenken, weil du dich nicht verstecken kannst. Wie oft hörst du von Leuten die Mist bauen: „Hey ich war halt besoffen.“ Heutzutage kannst du ja sogar Menschen umbringen und hast ein Stück weit ne Rechtfertigung wenn du besoffen warst.
Th: Im Laufe der Jahre wird das aber auch normal so zu leben. Ich denk darüber überhaupt nicht mehr so richtig nach. Früher hat man gesagt: „Oh, ich bin Straight Edge!!“ Und dann hast du dir auf Konzerten die größten X von allen auf die Hand gemalt. Und heute ist es normal.

Ihr unterstützt ihr ein Fleischfreies Leben. Allerdings sagt ihr Go Vegetarian und nicht Go Vegan. Einige Veganer sehen Vegetarier als moralische Heuchler bzw. als Menschen die auf dem halben Weg zu „Wahrheit“ stehen geblieben sind. Was entgegnet ihr solchen Aussagen.

M: Rein vom Moralischen her haben die Veganer recht. Es gibt einfach keine Rechtfertigung Tierprodukte zu essen. Man braucht sie ja eigentlich nicht. Aber irgendwie bin ich auch nen stinkend faules Schwein mich in der Hinsicht weiter zu entwickeln.
Th: Es ist auch sauschwer 100% vegan zu leben.
To: Es sollte diesen Kampf nicht geben. Man steht ja schon zusammen auf einer Seite. Warum sollte man das Ganze jetzt wieder aufsplitten? Besser sollten wir zusammen gehen und zusammenhalten und uns Gedanken machen und gegen das vor gehen was wir alle zusammen als Unrecht ansehen. Anstelle sich wieder zu spalten.
Th: Das ist aber das allgemeine Problem dieser Hardcore Szene. Den kleinsten gemeinsamen Nenner mit jedem zu finden.
M: Vegetarismus ist sehr sehr wichtig für uns. Das war auch mit ein Grund die Band zu gründen. Wir haben das Thema ja auch in einigen Songs verarbeitet und mir ist es wichtig dass die Message transportiert wird.
C: Das ist einfach für jeden von uns der Weg und wir versuchen das rüber zu bringen.
Th: Wir sind in Tierrechtsfragen vielleicht nicht die aktivste Band, dass wir jetzt sagen wir gehen auf Demos und sowas. Aber Vegetarismus ist halt unser Statement.

Ihr habt nen Shirt auf dem nen Nike Air Max abgebildet ist. Wie wichtig sind euch Style und Fashion? Was haltet ihr von dem Ausspruch „Passion before Fashion“?

M: H2O…cool.
To: Da ham wir schon wieder das Problem. Jetzt macht sich die Szene Gedanken darüber was der ein oder andere an hat. Anstelle sich sinnvolle Gedanken zu machen. Um auf das Shirt jetzt zu kommen. Wir wurden permanent angepisst wegen unseren Nike Schuhen. Also was ist die beste Antwort darauf? Machst nen T-Shirt, druckst nen riesen großen Nike Schuh drauf und schreibst hinten drauf: „Fuck you! We have enough friends!“ Ist ja so. Wir haben genug Freunde und ich will mich nicht anpissen lassen wegen den Schuhen die ich trage. Als nächstes komm ich im Kartoffelsack. Dann sagen alle „Oh. Nen Kartoffelsack…“ Da bist dann gleich wieder nen Hippie oder sowas. Und genau das ist das Problem.
Th: Das zeigt die eigene Oberflächlichkeit von manchen Leuten. Mir fällt es nicht mal auf ob jemand Nike Schuhe trägt oder was für Schuhe er überhaupt trägt.
M: Das ist genau das gleiche, das uns die Leute vorwerfen das wir elitär wären. Weil wir in einer Gruppe auftreten. Wenn ich jetzt aber 200km zu ner Show fahre, soll ich da alleine hin fahren, mich in die Ecke stellen und heulen? Ich fahr halt mit meinen Freunden zu den Konzerten. Dann regt sich wieder jemand drüber auf, dass wir elitär wären. Hallo???
To: Du merkst jetzt ja selbst. Wir sitzen hier und können abfeiern, labern, hätten tausend Themen. Ernste und Lustige. Die Leute gehen aber nicht auf uns zu. Die sehen ne Gruppe von sieben, acht bis zwanzig Mann die zusammen zum Konzert fahren und anstelle das sie ankommen und sich daneben stellen und sagen: „Hi ich bin der und der…“ und sich da irgendwie mit ein bringen sagen sie dann lieber: „Ähh…die Leute von Something Inside sind arrogant.“
Th: Und warum soll ich nur weil ich ner Band spiele auf die Leute zuerst zu gehen? Wir sind einfach nur ne Band. Wir sind einfach nur da. Wir sind nichts Besonderes.
M: Wir sind das kleinste Glied in der Kette.
C: Dadurch das wir auf der Bühne stehen, ne Band sind und ne Message rüber bringen machen wir uns ja auch angreifbar. Und nen paar Leute nutzen das auch schamlos aus. Anstatt einfach nur ne gute Zeit zu haben.
Th: In ner gewissen Art und Weise sind wir auch alle viel zu schüchtern den ersten Schritt zu machen und auf die Leute zu zugehen.
M: Schüchternheit wird aber auch schnell mit Arroganz verwechselt.

Die Textzeile „You consume the music but a message stays behind“ aus dem Song „What it means“ beschäftigt sich mit der Oberflächlichkeit in der HC Szene. Offensichtlich habt ihr mit oberflächlichen Zeitgenossen, die sich nicht die Zeit nehmen eure Lyrics zu lesen, so eure Problemchen!?

M: Genau. Das ist es was ich bei vielen Kids einfach nur traurig finde. Da wird sich die Musik reingezogen und gesagt: „Boah das klingt geil. Das ist nen geiler Moshpart.“ Aber was will die Band eigentlich von mir? Was singt der Sänger? Was will der mir sagen? Vielleicht finde ich das ja scheiße?! Diese Fragen stellen sich die Kids nicht.
Th: Das Trendhopping ist auch ganz schlimm. Vor nen paar Jahren war Old School total cool. Da wurde Old School abgefeiert. Da standen hunderttausend Leute vor der Bühne.

In einigen Songs (z.B.: „Where the Heart is“) beschreibt ihr, dass wir das Leben und unser Glück nicht würdigen oder nicht genügend würdigen.

M: Ja…es ist ja auch so. Das sieht ja jeder in seiner näheren Umgebung. Ich sehe es zum Beispiel bei mir auf Arbeit. Da geht es immer darum, wie kann ich mehr Geld scheffeln als ich eigentlich gebrauchen kann. Anstatt das man sich die Frage stellt: „Bin ich dann glücklich wenn ich soviel habe?“ Klar bin ich dann irgendwie auf der sicheren Seite. Aber darum geht es doch nicht. Es macht dich doch nicht glücklich. Die Leute bilden sich ein das sie das Materielle glücklich macht. Aber im Endeffekt muss doch jeder für sich selbst rausfinden was ihn glücklich macht. Und das sollst du dann leben, das ist eigentlich was der Song sagen soll.
Th: Mach das was dir Spaß macht.

So jetzt hab ich noch ne schöne Klischeefrage. Positive Outlook oder Toughguy…was passt besser zu euch? Oder geht vielleicht beides zusammen?

[erst mal Gelächter]
Th: Toughguy!
To: Positive Outlook!!!!!!
C: Positive!!!
M: Ich bin einfach nur Working Class. Der einzige in der Band der wirklich Working Class ist.
To: Hey, ich arbeite auch.
M: Ja klar. Gib dem Ding mal keinen Spitznamen. [wieder mal Gelächter]

Existiert ein Unterschied zwischen Shows in den Neuen und Shows in den alten Bundesländern?

C: Also für uns auf alle Fälle.
Th: Für uns sind die Shows im Osten tausendmal besser als die im Westen. Ich glaube einfach es gibt im Westen nen paar Vorbehalte uns gegenüber.
C: Du kommst irgendwo hin und da haben 30 Leute erst mal tausend Vorurteile uns gegenüber. Und diese Vorurteile müssen wir erst mal bekämpfen.

Was haltet ihr von der seit längeren anhaltenden Beatdown Welle in der HC-Szene?

To: Beatdown…Suka Punch..Hamburg!!!!!!
[und mal wieder lachen alle]
U: Hab ich mich eigentlich noch nicht richtig mit auseinander gesetzt. Außer mit Suka Punch. Aber ich geh davon aus, dass der Großteil davon relativ stumpfes Zeug ist.
M: Aber das Ding ist ja auch. Wenn ich das Publikum sehe. Solche Musik ist ja auch für solche Leute gemacht.
Th: Wie so eine Parallelszene.
M: Ich war noch nie auf ner Beatdown Show. Außer auf ner Suka Punch Show.
C: Oder wenn wir auf ner Beatdown Show gespielt haben. Wie im Saarland.
M: Ja okay. Da war das Publikum Beatdown und die haben trotzdem abgemosht.
Th: Wir haben unser Zeug aber auch extra langsam gespielt.

Wie ist eure Meinung zu Reunion Shows von Szenegrößen? Zum Beispiel die anstehende Tour von Youth Of Today zusammen mit den Spermbirds?

Th: Find ich geil. Außer sowas wie letztes Jahr Bringing It Down. So ein zusammen gewürfelter Haufen. Das war ganz großer Quatsch.
M:Ich bin jetzt ja nen kleines Stück älter und hab ja vielleicht ein oder zwei von den Bands früher schon gesehen. Aber für die Kids heutzutage finde ich es gut. Weil die dann mal sehen wo Hardcore herkommt.
To: Aber ich hab Minor Threat auch nicht live gesehen und weiß trotzdem wo Hardcore herkommt.

Im Internet kursieren Gerüchte darüber, dass ihr angeblich Kontakt zu Nazis habt bzw. sogar rechtsoffen seid. Da das im krassen Widerspruch zu euren Texten steht, drängt sich mir die Frage auf was da dran ist bzw. ob ihr ne Ahnung habt warum solche Gerüchte über euch kursieren?

Th: Das Thema sehen wir sehr selbstkritisch. Um kurz auszuholen, ein langjähriger Freund ist nach und nach in solche Kreise abgerutscht. Was viele „Freunde“ dabei vernachlässigen ist der Fakt das der Kontakt zur „Resozialisierung“ gilt, und meiner Meinung nach auch Gesten manchmal mehr zählen als nur Worte. Manche Leute brauchen vielleicht mehrmals eine helfende Hand damit es irgendwann „Klick“ macht um zu realisieren welchen falschen Weg sie gerade gehen – einen anderen und besseren Weg aber aufgezeigt bekommen. Das kann man auf viele Lebensprobleme übertragen, in einer Freundschaft gibt’s nun mal nicht nur Sonnentage. Wann Hopfen und Malz verloren ist, sollte auch keiner per Ferndiagnose im Internet abschätzen können. Dass wir als Band, für nur eine Person, in diesem expliziten Fall auch mal Scheiße fressen müssen, ist uns klar. Was eigentlich ja auch wieder gut ist, dass die „Kids“ sich damit auseinandersetzen und Sachen hinterfragen. Die Art und Weise lässt halt nur zu wünschen übrig. Fakt ist, dass keiner von uns Nazi ist, damit sympathisiert oder rechtsoffen ist da sonst Something Inside nicht existieren könnte. Den Rest machen irgendwelche Leute aus uns. Warum auch immer…

Eure Pläne für die Zukunft?

M: Haben wir uns eigentlich noch nicht so richtig Gedanken drüber gemacht.
C: Naja, wir hatten jetzt im Mai ja ne dreiwöchige Tour und haben ja die zweite LP erst im März releast.
Th: Vielleicht kommt noch ne Tour.

DANKE für eure Zeit!!!

U: Wir bedanken uns. Und beim nächsten Interview geben wir dann nur Antworten im Amistyle. Immer nur ein Satz.
To: Können wir doch jetzt noch machen. Wir können ja nochmal anfangen.

SOMETHING INSIDE – HEART & SOUL LP/CD (Farewell Records/Dead Serious 2010)
Die Band selbst bezeichnet dieses Album als den logischen Schritt nach „Lionheart”. Besser hätte ich das nicht formulieren können. Auch ich bin der Meinung das „Heart & Soul“ das beste Output von Something Inside ist. Die Songs klingen ausgereifter und abwechslungsreicher ohne dabei gezwungen oder aufgesetzt zu wirken. Die Marschrichtung bleibt nach wie vor bestehen. Sie heißt klar und eindeutig: Youth Crew aus Deutschland im Jahr 2010. Authentischer kann das kaum klingen. www.myspace.com/somethinginside

Final Prayer Interview aus Ausgabe #1

Moin. Als erstes bitte eine kurze Bandvorstellung mit allen wichtigen Fakten über Final Prayer.

Hmm, also was die wirklich wichtigen Fakten sind, hängt glaube ich von der Perspektive ab aus der man oder frau fragt. Also für mich sind die wichtigen Fakten über FP nicht wann wir uns gegründet haben, wer in der Band welches Instrument spielt und wer vorher in welcher anderen Band war. Sowas ist absolut unwichtig, kann man in unserer Bandbio auf der Website alles nachlesen. Wichtige Fakten über FP sind vielleicht, dass wir alle gut miteinander befreundet sind, das wir seit der Bandgründung in derselben Besetzung spielen, das wir neben „normalen“ Konzerten immer auch Benfizsachen spielen und sozialkritische Texte haben, und das wir uns aber trotzdem nicht zu ernst nehmen.

Euer aktuelles Output ist ne Zusammenstellung von Demos, vergriffenen 7 Inches, Splittplatten und Samplerbeiträgen. Wie seid ihr auf die Idee gekommen dieses Output rauzuhauen?

Auf die Idee kam eigentlich Chris von let it burn records. Der hatte ja unser erstes Album rausgebracht, die dritte oder vierte Pressung der „right here, right now“ war da gerade ausverkauft und er schlug vor die „right here, right now“ mit Bonustracks nachzupressen. Na ja, Bonustracks klingt immer doof, so in der Richtung hier sind nochmal 2 extra Livesongs, damit ihr alle nochmal die Platte als limitierte Version kauft und wir damit extra Geld machen… Daher kam dann die Idee so ne Art „early discography“ zu machen. Nicht um sich jetzt abzufeiern, sondern um „out of print“ Songs wieder erhältlich zu machen und eine Veröffentlichung anzubieten, die „value for money“ ist.

Wann können wir mit einem neuen Album von euch rechnen? Habt ihr schon Material am Start?

Wir schreiben gerade fleißig an neuen Songs, wollen aber keine halben Sachen machen und das dritte Album erst abliefern, wenn wir wirklich 10 (oder mehr) geile neue Songs haben. 2011 sollte es was werden…

Ihr habt mittlerweile einige Liveerfahrung auf großen Bühnen gesammelt. Macht es euch mehr Spaß in kleinen Clubs zu spielen oder auf großen Festivals? Was sind die besonderen Reize des einen und es anderen?

Es gibt kleine Shows, die scheisse sind und große Festivals, die ebenso saugen. Ob jetzt für mich ein Konzert als „gelungen“ verbucht wird, hängt von diversen Faktoren ab: eigene Verfassung und Stimmung, Spassfaktor, Reaktionen der Leute, Sound…

Euer erstes Demo wurde im Rock Hard zum „demo of the month“ gewählt. Das ist ne Auszeichnung die nicht jeder jungen Hardcoreband zu Teil wird. Was bedeuteten euch solche Auszeichnungen?

Na ja, das ist nett und cool, aber wenn nach Konzerten irgendwer zu mir ankommt und sagt, dass ihn unsere Musik zum Nachdenken über bestimmte Themen gebracht hat, oder ihm Kraft gegeben hat in irgendwelchen schwierigen Lebensphasen, dann ist sowas die „echte“ Auszeichnung.

Einige Leute verbinden mit moshlastigem Hardcore auch immer stumpfe Texte und dummes Rumgeprolle. Eure Texte allerdings sind teilweise sehr sozial kritisch und alles andere als stumpf. Sind euch solche Vorurteile schon untergekommen? Falls ja, wie geht ihr damit um?

Na ja, ich finde unsere Texte nicht wirklich poetisch oder so. Sie sind schon ziemlich stumpf in dem Sinne, dass sie gerade heraus eine bestimmte Meinung vertreten oder ein Thema direkt ansprechen. Differenziert sind sie jedenfalls nicht, aber was will man in kurzen, schnellen Songs auch differenziert ansprechen? HC war immer vor allem wütend und angepisst und hatte eine Meinung zu bestimmten Themen. In der Tradition sehen wir auch unsere Texte. Objektivität streng genommen gibt es eh nicht, da selbst in vermeintlich objektive Wissenschaft immer die eigenen, subjektiven Wert- und Moralvorstellungen, Erfahrungen, Denktraditionen etc. einfließen

Momentan ist das Thema Integration in aller Munde. Ihr seid aus Kreuzberg. Ein Stadtteil der in dieser Diskussion gerne als „Problemstadtteil“ bezeichnet wird. Wie erlebt ihr das tag tägliche Zusammenleben bei euch zu Hause und wie steht ihr der aktuellen öffentlichen Diskussion gegenüber?

Die Debatte ist zunächst mal nicht neu, sondern wird seit fast zehn Jahren befeuert. Wahlweise von rechts oder links. Dass jetzt Sarazzin eine uralte Debatte mit total veralteten Thesen neu befeuern kann, in jede Talkshow eingeladen wird usw. zeigt nur, wie realitätsfremd die politische Klasse und die Mehrheit der Bevölkerung in diesem Land sind. Die Leute wollen total primitive, simple Lösungen (wobei Sarazzin diese ja nicht mal anbietet, sondern vor allem polemisiert) für komplexe Probleme hören, damit man bloß nicht selber denken muss. Zum zweiten Teil deiner Frage: sicherlich gibt es Spannungen in dem Bezirk in dem ich leben, zum einen weil Weltanschauungen, religiöse Überzeugungen etc. aufeinander treffen, die in vielerlei Hinsicht sehr gegensätzlich sind. Es gibt auch Spannungen, weil die Schere zwischen arm und reich, so abgedroschen das jetzt klingen mag, immer weiter auseinander klafft. Diese Schere ist einfach für eine Gesellschaft bzw. eine community Gift, da sie entzweit, teilt und Zusammenhalt auflöst. Und dann gibt es aber viel Solidarität, viel Gemeinschaftsgefühl, man kennt immer irgendwo jemanden, der einem hilft. Deshalb mag ich es sehr in Kreuzberg zu wohnen.

In eurem Song „Out of Content“ beschreibt ihr die Tretmühle des Alltags. Was sind eure „Geheimnisse“ um dem grauen Alltag zu entgehen? Habt ihr alle einen 9 to 5 Job?

Haha, mittlerweile haben wir (leider) fast alle 9 to 5 Jobs. Wobei man im derzeitigen gesellschaftlichen Klima, in dem Arbeitnehmerrechte immer weiter ausgehöhlt werden (z.B. durch Scheinselbsständigkeit) wohl eher von 7 to 7 Jobs sprechen sollte. Und solche Arbeitsbedingungen voller unbezahlter Überstunden soll man dann dankend hinnehmen, weil man ja sonst arbeitslos werden könnte. In dieser Misere stecken wir alle irgendwie und kommen da nicht raus.

„This is something so much more than the backprint of your shirt! “ist ein Zitat aus eurem Song “Fashion Parade”. Wird die Hardcoreszene eurer Meinung nach immer oberflächlicher und setzt sich nur noch mit Mode auseinander?

Der Song ist schon als eine Reaktion darauf entstanden. Kann man so sagen. Ich finde „Mode“ allgemein nicht per se schlimm, viele Leute sehen das ja auch als eine Form von Kreativität sich individuell zu kleiden. Aber letzteres passiert im HC ja gar nicht mehr. Alle sehen uniformiert aus, was wiederum auch nicht wirklich schlimm wäre, wenn es nicht diesen unausgesprochenen Zwang geben würde, sich in bestimmten Kreisen einem bestimmten Dresscode zu unterwerfen, um dazu zu gehören zu können. Dabei hat HC-Punk so viel mehr zu bieten als coole bunte
Shirts, nen Irokesenschnitt oder sowas.

Ihr setzt euch aber nicht nur mit szeneinternen Dingen auseinander sondern auch mit wirklichen Problem wie zum Beispiel mit der Unterdrückung von Schwachen und Armen. Wie wichtig ist es euch auch politische oder sozial kritische Aussagen zu transportieren? Welche Statements sind euch am wichtigsten?

Zum ersten Teil der Frage: es ist uns wichtig, sonst würden wir es nicht machen. Wenn mich solche Themen nicht interessieren würden, würde ich nicht drüber schreiben. Das limitiert uns aber nicht auf sozialkritische Themen. Alles was wir für relevant erachten, wird in Texten thematisiert.

Wie ist die Hardcoreszene in Berlin zurzeit? Kann man noch eine Teilung in Ost und West spüren?

Die Szene ist sehr divers und gespalten, wie überall. Allerdings nicht in Ost und West, sondern in die von der Musikindustrie erfundenen Subgenres wie Old School, Deathcore, Metalcore, Beatdown etc. In jedem Fall gibt es unzählige lokale Bands, viele Shows und ne Menge netter Leute in Berlin.

Zum Schluss eure Pläne für die Zukunft und Platz für das was ihr unbedingt noch los werden wollt.

Danke für das Interview. Kommt auf eins unserer Konzerte!

Das Interview habe ich mit Felix per e-mail geführt.

FINAL PRAYER – BEST OF TIMES CD (LET IT BURN 2010)
Eine Zusammenstellung vergriffener EP’s, Samplerbeiträge und ähnlichem. Geboten wird der FINAL PRAYER typische moshige und energiegeladene HC. Die 20 Tracks bieten einen guten Überblick über das Schaffen der Hauptstädter und sind sowohl für FP-Neulinge als auch für Kenner der Band, die vielleicht die ein oder andere ausverkaufte Scheibe verpasst haben, eine gute Investition. www.finalprayer.de / www.myspace.com/finalprayer