Die vierte Ausgabe

Im März 2012 erschien die vierte Ausgabe.
Diesmal mit dabei: WOLFxDOWN, ISOLATED, WITH OPEN ARMS, HOME RUN, THE LINES WE CROSS uvm.

Review aus dem Übersteiger

Project Print Nr.4
Kontakt: projectprint.blogsport.de
In der aktuellen Ausgabe des sympathischen Hamburger Hardcore-Fanzines gibt vor allem der Drummer von Wolf X Down einen äußerst interessanten Einblick in den „Alltag“ der schwer angesagten, 4-köpfigen Vegan Straight Edge-Combo aus dem Ruhrgebiet. Persönlich sagt mir deren Mucke nicht wirklich zu, dafür aber umso mehr deren (politischen) Engagement und Radikalität. Weitere E-Mail-Interviews
wurden noch mit den nach 9 Jahren inzwischen aufgelösten With Open Arms, mit How 2 Start (Lünen Style Hardcore!), den fast seit 20 Jahren existierenden Isolated aus dem Harz, dem weitläufigen HC-Forum/Magazine Outspoken, The Lines We Cross und dem Label Black Heart Records aus Leipzig gemacht. Außerdem gibt es ein Doppelinterview mit der malaysischen(!) Band Home Run und deren Label Learn To Trust Records, den Bericht des letztmals angesprochenenen PPF/St.Pauli Skinheads-Solikonzertes im Hafenklang (siehe Rezi im ÜS Nr.106), eine kleine Kolumne „Vom Alltags- und Weltschmerz“ über den typischen SxE-Werdegang, viele Platten- und Fanzinerezis, die Secondhand-Spendenbörse Buy Merch To Save Animals (mehr Infos: buymerchtosaveanimals.blogsport.de) und Hardcore Help Foundation werden vorgestellt (hardcore-help.com) und die Hamburger Oldschool-Hardcorepunks von Out Of Step verraten sämtliche Linernotes ihres neuen Albums „Mr.X and Mr.T“. Puh! Ist wie immer randvoll und das pure Lesevergnügen für Liebhaber der besten Musik der Welt. Für nur 1,50? gibt es die Nr.4 (und die anderen Ausgaben)
bei Jakob über die oben angegebene Blogsport-Seite zu ordern. Klickt mal rein! // Stemmen

Review aus dem „Ox Fanzine“ #102

„Vierte Ausgabe eines kleinen Fanzines, das unter der Straight-Edge-Flagge segelt. Neben einem pathetischen Plädoyer für SxE finden sich hauptsächlich Interviews mit Bands, die auch in eben dieser Kategorie eingeordnet werden können, aber auch Zeilen zu Labels, anderen Fanzines und einer Tierrechtsinitiative. Von dem Großteil der Befragten habe ich noch nie etwas gehört, das muss aber auch nichts bedeuten. Obwohl die Interviews alle sehr ähnlich strukturiert sind und oft die gleichen Fragen gestellt werden, erscheinen mir die Macher_innen positiv bemüht. Mir gefällt die Idee, jedes Interview mit einem kurzem Review der aktuellen Platte der jeweiligen Band abzurunden. So auch bei WOLFxDOWN, die ausführlich und deutlich ihren emanzipatorischen Anspruch klar stellen und damit aus dem platten „Unity-HC“ herausstechen. Am interessantesten und auch lesenswert ist das Interview mit HOME RUN aus Malaysia und dem ebenfalls dort ansässigen Label Learn To Trust Records, die auf den letzten Seiten einen interessanten, aber leider kurzen Blick auf Hardcore in Südostasien gewähren.“
Martin Nawabi

Review aus dem Trust Fanzine #156

„Das PROJECT PRINT ist ein kleines DIY – Hardcore Fanzine aus Hamburg, welches zweimal im Jahr in gedruckter Form erscheint. Unser Ziel ist es, Bands, Labels und andere Leute/Aktionen in der Hardcore- und Punkszene zu unterstützen“, so informiert uns das Heft online zu den sympathischen Zielen. Wie sieht die Umsetzung aus? Die Ausgabe beinhaltet Interviews mit WolfXDown, Isolated, How 2 Start, With Open Arms, Blackheart, Homerun aus Malaysia, The Lines We Cross und Out of Step. Ich möchte vorausschicken, dass nun folgende Worte logischerweise ausschließlich meine Meinung ist und keine „Trust“-Meinung, ich bin mir sicher, wäre das Heft in andere (gekreuzte) Rezi-Hände gefallen (Hallo Berlin!), würde die Besprechung völlig anders („besser“) ausfallen, aber ich wollte es ja haben.

Was direkt auffällt ist, dass die Bands (ob jung oder alt) in den Gesprächen recht stark betonen, das es ihnen wirklich egal sei, ob jemand tränke oder nicht, sie selber tränken ja jetzt kein Alkohol, aber sie würden das bei anderen tolerieren und es wäre ihnen ja auch egal und uns würde mehr vereinigen mehr als uns trennen täte. Erster ziemlich lange anhaltender Reflex: „Du, supercool, danke, dass ich das darf bzw. dass das für dich okay geht!!! Und wen frage ich jetzt, wenn ich mir erotische Bilder im Netz angucken möchte? Die Sängerin von Wolf X Down? Die Al Barile Clearingstelle in Neu-Brandenburg? Darf ich das? Ist das Hardcore (sic!)? Kann ich das vereinbaren mit mir selber? Oder mit dem, was du für Punk hälst? Muss ich das wirklich mit mir selber am Ende verhandeln, schade, gibt es denn keinen übergeordneten Menschen, der mir das gestattet oder eben nicht und mir genau sagt, was jetzt Punk (nicht) ist?! Erlaubt mir bitte Sachen, bevor ich selber noch anfange, mir da eventuell einen eigenen Kopf zu machen???! It is okay not to think???
Generell geht mir sowohl dieser selbstgerechte ödipale „Ich trinke Alk und bin super“-Saufgeprolle-Core und der „Ich trinke kein Alk und bin noch superer, weil ich eben nicht die legalen Drogen der kapitalistischen Gesellschaft konsumiere (du bist sooo geil, Baby!), ich bin so toll anders (verzichte doch mal aufs Zähneputzen, die Message hatte auch noch keine Subkultur in dem Maße!)- Straight Edge – Dünkel gleichmachen völlig zu recht auf den Sack. Because I said so! Ich muss bei letzterem immer an den SFA-Song „Just another word“ denken (“You are just a bunch of fucking hippocrites“). Macht doch, wat ihr wollt, meine Güte, ich mag Pizza, du magst Nudeln, ist doch völlig wumpe, so lange du nicht anfängst, mir zu erzählen, dass Nudeln geiler sind als Pizza, weil es DIR besser schmeckt oder du keine Pizza verträgst oder viele Menschen Pizza mögen und du willst aber jetzt von denen abheben, werde doch nen Tier! etc. So fucking what?! Und um mehr geht es nicht, ihr seid doch über 18/21, da müsst ihr nicht mehr eure Mutti oder Pat Dubar vorher fragen, wenn ihr Limo oder Bier oder Korn trinken wollt, okay? Es ist DEIN Leben. Buch dat doch selber. Scheiss drauf. Sonst keine Probleme? Meine Güte, geht mir das alles auf die Eier hier wieder: Hallo, es ist 2012?! Hallo, „There is no authority but yourself“??? Mann Ey! Werdet doch Soldaten oder Polizisten, wenn ihr jemand braucht, der Gedanken und Taten von euch abnickt. Werdet doch konsequente Massenmörder, dass hatten Jugendkulturen vor Punk auch nie sooo oft, got me? Ich will mit solchen Heinis kaum bzw. nix zu tun haben, da ist mir der sexistische Alk-Proll am Kiosk beinahe lieber, der ist zwar auch scheiße, aber wenigstens weiß man da direkt, woran man ist. Wer mich nach dem Alkkonsum, meiner Lieblingsspeise, nach meiner T-Shirt-Farbe oder meiner Sockenfarbe beurteilt, der kann sich selber korrekt ins Knie ficken und sich einen drauf runter holen, wie straight edge / punk / hc man/frau doch wäre, ihr habt überhaupt gar nix verstanden!!! Mann Mann Mann. Wer eine so banale Selbstverständlichkeit („Ich finde das völlig okay, wenn du Alk trinkst, obwohl ich selber ja nun nicht…“) auch noch betont, dem wird es eben nicht egal sein – und natürlich ist das völlig uninteressant, ob und was man trinkt, meine Güte!!! Sagt das was über den Menschen aus? Hallo??? Echt? Ach was! Und die gesunde Lebensführung schützt nicht davor, Quatsch zu erzählen: In dem WOLF X Down – Interview gefiel mir grundsätzlich die von der Band geäußerte Gesellschaftskritik. Jedoch, wenn ich da was lese von der Erde, die beschützt werden muss vom bösen Menschen, der sich erlauben würde, die Erde ihm untertan zu machen. *Kopfschütteln und Hand-an-die-Stirn-schlag*. Es wäre echt was Neues und Schönes, wenn der Mensch WIRKLICH im Mittelpunkt stehen täte (das nennt man dann Humanismus und nicht „anthropozentrisch“). Aber er ist doch nur Anhängsel der Profitinteressen. Es war nur eine kleine Passage in dem ansonsten sehr langen und ziemlich guten Interview, aber da sowas früher in den 90er oft (Earth Crisis, Earth First, Tiefenökologie, der Baum lebt etc.) und heute noch manchmal als fortschrittlicher Standpunkt eingeführt wird: zu so jemanden, jetzt sehr polemisch gesprochen, fallen mir drei Zitate ein: „Für ihn gilt wirklich, was Nietzsche Schopenhauer und Voltaire zu Unrecht vorwarf, dass sie ihren Hass gegen gewisse Dinge und Menschen als Barmherzigkeit gegen Tiere zu verkleiden wussten“ (aus dem Kapitel „Mensch und Tiere“ der „Dialektik der Aufklärung“, S. 269). Weil: „Natur an sich ist weder gut, wie die alte, noch edel, wie die neue Romantik es will“ (S. 270). So jemand findet es sicher ziemlich geil, wenn Menschen sterben, weil, juhu, ein Feind weniger! Die Primeln und Erdbeerkucheninsekten, die ermordet werden, um aus dem Rückenmark einen Zusatzstoff für Medikamente herzustellen, die Menschenleben rettet, die dürfen jetzt leben, fuck yeah! Machen wir es doch mal konsequent und stellen den Menschen noch weiter hinten an, und verkündigen in der vegan-vegetarischen Diktatur folgendes Gesetz: Jeder Mensch, der ein Blatt zertritt und eine Fliege verschluckt, der muss für den Rest seines Lebens in den Tofu-Minen arbeiten. Johannes Agnoli hat es in seiner Schrift „Die Transformation der Demokratie“ (hin zu einem autoritärem Staat) völlig richtig auf den Punkt gebracht: „Es kommt bei mir – ich gestehe es gerne ein – noch hinzu, dass in meinem unverbesserlichen Humanismus mir der Mensch im Guten wie im Schlechten immer das bleibt, was Protagoras von ihm sagte, das Maß aller Dinge: und dass die Natur nicht in Ansehung der Natur zu schützen ist. Ihr dürfte nämlich die eigene Zerstörung ziemlich gleichgültig sein. Es geht den Löwen in Afrika kaum an, dass in den Ozeanen die Wale zwecks Profimaximierung ausgerottet werden. Die Einzigartigkeit des Naturwesens Mensch besteht nicht zuletzt eben darin, dass ihm die Ausrottung der Wale, das Absterben der Flüsse, die Vernichtung der Wälder, die Verpestung der Luft bewusst werden und nicht gleichgültig sein können. Und dies bedeutet also: Schutz der Natur in Ansehung der Existenz der Menschheit“. Nach Diktat in die Kneipe.
(Jan)