Get The Most Interview aus Ausgabe #2

2006 und 2007 haben GET THE MOST zwei sehr geile 7“ EP’s auf Crucial Response Records veröffentlicht. Im letzten Jahr gab es dann endlich den ersten Longplayer. Diese LP hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. Momentan sind sie wohl eine der besten Bands, die dem Youth Crew Sound frönen. Deswegen habe ich ein paar Mails rund um die halbe Erde gejagt, um Sänger Senor Bubbles auf den Zahn zu fühlen.

1. Get the Most hat als Nebenprojekt von GO IT ALONE und BLUE MONDAY angefangen, ist das richtig? Und ist GTM im Augenblick euer Hauptprojekt? Spielen alle in der Band noch in anderen Bands?
Ja, die Band entstand als Nebenprojekt dieser zwei Bands. Wir entschlossen uns dazu während einer Tour im Sommer 2005. Seit dem Start hat quasi jeder auch in anderen Bands gespielt. Es ist eine ziemlich lange Liste, aber einige der Bands, aus denen wir kamen, waren Blue Monday, Go it alone, The Answer, Devotion, Black Breath, On, Vacant State, Gone but not forgotten etc. Diese Band hier hat immer als ein Spaßprojekt nebenbei existiert, was Touren nie zur Priorität machte.

2. Euer erstes Album “Together” wurde 2010 auf REACT! Records veröffentlicht. Für mich ist es eine der besten Youth Crew Veröffentlichungen des Jahres. Seid ihr mit der Platte zufrieden?
Wir sind definitiv zufrieden mit der Leistung und Dankeschön. Es hat ungefähr drei Jahre gebraucht um sie fertig zu kriegen, aber ich denke, dass es das Warten wert war. Ich wollte keine solche Diskrepanz erzeugen, dass unsere nächste Platte kom-plett anders klingen würde und damit der Schwerpunkt unseres Sounds verloren gegangen wäre. Ein ganzes Hardcore Album bleibt oftmals nicht so im Gedächtnis wie das Demo oder die erste 7″. Hoffentlich zeigt sich diese LP genauso gut wie der Rest unserer Outputs.

3. Welche Reaktionen bekommt ihr von den Leuten?
Soweit es die LP betrifft, waren sie positiv. Ich habe nichts in der Art gehört, dass die Leute es kacke finden, also ist das wohl gut.

4. Eins der Ziele von GTM war und ist es hoffentlich noch immer, euren Lieblingskünstlern Anerkennung zu zollen. Also steht der Sound von GTM unter den Einflüssen der guten alten Youth Crew Bands. Ist dieser Youth Crew Sound in euren Augen der „wahre“ Hardcore Sound? Fließen in GTM noch Einflüsse anderer musikalischer Richtungen ein?
Unsere generelle und ursprüngliche Idee war, den klassischen Bands zu huldigen. Wir wollten nicht viel anders als Instead, Youth Of Today, Uniform Choice etc. klingen. Je älter ich werde, desto mehr wertschätze ich jene 80er Bands. Ich glaubte, dass es einen Haufen Spaß machen würde, sehr energiereichen Hardcore zu spielen, der sich mehr oder weniger motivierend und euphorisch anfühlen sollte. Ist das der wahre Hardcore Sound für mich? Sicher. Aber ich denke wir sind uns alle einig, dass es da noch weitere großartige Stile im Hardcore gibt.

5. Ihr kommt aus Seattle, WA, einer Stadt, die viele gute und bekannte Hardcore Bands beheimatet (Sinking Ships, Gone But Not Forgotten, On, Undertow, nur um einige zu nen-nen). Was liegt bei euch in der Luft? Wie kommt es, dass so viele gute Bands aus dieser Gegend kommen?
Das muss an der sehr schönen Landschaft liegen. Die Berge, das Wasser und all das herrlich leckere vegane Essen dienen unserer Inspiration. Bei uns gibt es ausge-zeichnete Orte, wo man am Wochenende Wandern gehen kann und drei größere Städte liegen im Umkreis von 3-4 Stunden Fahrtzeit. Außerdem bestehen die meisten unserer Bands aus denselben zehn Typen, die Szene ist also nicht allzu groß.

6. Wie zeigt sich die Hardcore- und Straight Edge Szene in Seattle?
Die Hardcoreszene nimmt an Fahrt auf, sie wächst vor allem leicht südlich von Seattle in der Tacoma Area. Da unten finden tendenziell wesentlich mehr Shows statt und sie haben ziemlich regelmäßige Veranstaltungen am Laufen. Die Straight Edge Szene ist nicht sehr groß, die, die wir kennen, sind größtenteils 25 und älter. Es gibt nicht mehr viele von uns hier. Es kommt einem so vor, dass, nachdem Champion sich aufgelöst haben viele Leute mit Hardcore und Straight Edge aufgehört haben.

7. Eine ehr persönliche Frage. Ihr seid eine Straight Edge Band?! Was bedeutet euch Straight Edge? Warum lebt ihr Straight Edge?
Glaub es oder glaub es nicht. Aber dies ist keine Straight Edge Band. Unser Sound ist zwar von vielen sXe-Bands beeinflusst und die meisten der Bandmitglieder leben auch straight, ich kann also verstehen wie du auf die Idee gekommen bist. Aber als wir anfingen, wollten wir den Fokus unserer Texte auf Dinge richten mit denen jeder was verbinden kann. Deswegen sind wir nicht den sXe-Weg gegangen. Außerdem leben wir auch nicht alle straight. Also würde es auch gar nicht wirklich passen.

8. Ihr habt zwei EP’s auf dem deutschen Label Crucial Response veröffentlicht. Wie seid ihr mit Peter in Kontakt gekommen?
Ursprünglich hatten wir ihm mal unser Demo, das für unsere erste Show rauskam, geschickt. Er hat sich mit uns in Verbindung gesetzt und gesagt, dass er eine 7″ EP machen will. Wir waren so glücklich, mit einem der besten Hardcore Labels überhaupt zu arbeiten. Einige unserer Lieblingsbands hatten Platten auf diesem Label veröffentlicht. Es hat uns viel Vergnügen bereitet, mit Peter zu arbeiten und er hat einen großartigen Job für uns gemacht.

9. In dem Song “Not just Words to say” beschreibt ihr eine Situation, in der es um einen Freund geht, der euch und der Szene den Rücken zukehrt, weil er “erwachsen wird”. Geht es um eine wahre Geschichte, die einem von euch passiert ist? Und denkt ihr, dass „er-wachsen werden“ zwangsläufig das endgültige Brechen mit Szene und Freunden mit sich bringt?
Der Song bezieht sich lose auf die vielen Zusammentreffen, die wir alle mal mit Freunden erlebt haben, die plötzlich zu alt geworden waren für Dinge, die ihnen einmal so wichtig gewesen waren. Zum Beispiel bin ich mir ganz sicher, dass ich Freunde hatte, die auch mit zu Hardcore Shows kamen, dann aber entschieden, dass sie damit durch sind und nun über jene Zeiten reden, als würden sie ihnen nichts bedeuten, obwohl sie genau das tat. Manchmal wirst du traurig, dass du, obwohl sie sich weiterbewegt haben, nicht anders kannst, als zu denken, dass sie von ihrem jetzigen sozialen Leben gelangweilt sein müssen. Es steckt ja auch die Stimmung der guten alten Zeiten drin. Ein bisschen nostalgisch und so.

10. Ist der Song “Show some Spine” jemandem bestimmtes gewidmet? Oder ist er einfach als generelles Statement zu verstehen?
Ich möchte auf niemand spezielles öffentlich mit dem Finger zeigen, aber in dem Song geht es um jemanden, der sich sehr offen über die Beteiligung von Frauen im Hardcore äußerte, als es aber dazu kam, Worten auch Taten folgen zu lassen, hat er sein wahres Gesicht gezeigt. Auch, wenn Hardcore eher männlich dominiert wird, heißt das nicht, dass wir nicht schrecklich begeistert sein sollten über alles und jeden, der sich einbringt. Ich würde mir wünschen, dass Frauen und Männer zu gleichen Anteilen auf Shows zu sehen wären. Es sind solche Menschen, wie der aus dem Song, die andere, welche sich auf Shows vielleicht ein wenig unwohl oder fehl am Platze fühlen, verschrecken und verunsichern. Diese Idioten müssen wir loswerden und unsere Szene so großartig gestalten, wie wir nur können, in der sich jeder willkommen fühlen kann, ganz egal welchen Geschlechts oder welcher Überzeugung.

11. Habt ihr schon mal in Deutschland gespielt? Wann werden wir euch das nächste Mal hier sehen können?
Wir haben 2009 eine Show mit ON in Deutschland gespielt. Ich weiß nicht mehr genau, wo das war, aber es war sehr gut. Die Show war brechend voll und ich erinnere mich an Leute, die viele der Texte kannten, was sich ziemlich gut angefühlt hat. Was eine Rückkehr nach Deutschland angeht, sind wir uns nicht sicher, wann wir das realisieren können.

12. Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?
Wir geben unserer Collection LP, die bald auf REACT! Records erscheint, gerade den letzten Feinschliff. Sie beinhaltet unser Demo und die beiden Seven Inches. Die Songs wurden überarbeitet, klingen jetzt also besser und das Layout ist ziemlich cool. Wir hoffen, dieses Jahr beim REACT! Festival in Berkley, Kalifornien, zu spielen, denn letztes Jahr hat es unglaublich viel Spaß gemacht!

13. Platz für alles, was du den Leuten in Deutschland noch mitgeben willst.
Es hat immer viel Spaß gemacht, in Deutschland zu spielen. Ich hoffe, dass ihr wei-termacht mit den Zines, Shows, Labels und damit, nordamerikanische Bands durch eure Gastfreundlichkeit zu unterstützen. Danke für das Interview.